Bemerkenswert

فهرست واژگان دری – فارسی – آلمانی

Kleines Lexikon von Wörtern in Dari (Afghanistan), Persisch und Deutsch (wird ergänzt).
Diese Liste beruht auf einem laufenden Übersetzungsprojekt und soll als Ergänzung zu verdienstvollen Online-Wörterbüchern wie Langenscheidt Deutsch-Persisch dienen, das auch Wörter aus dem Dari enthält.

Iranische_Sprachen

فهرست واژگانی که در ادامه آمده از رمانی منتشر نشده برگرفته شده و صرفا جنبه ی تکمیلی دارد. در اینجا لازم می دانم از سرکار خانم نویسنده و تیم امدادی ایشان در افغانستان برای کمک های بی وقفۀ شان صمیمانه تشکر کنم. برای اطلاع بیشتر درباره واژه های متفاوت در زبان فارسی افغانستان و فارسی ایران می توانید به این فهرست آنلاین ویکی پدیا رجوع کنید

اسکاشتیف، اسکاشتیپ = نوارچسب = Klebeband, Tesafilm (von Engl. scotch tape)

اسکلیت = اسکله = Skelett

موتر بادی دار = ماشین وانت = Pickup, Pritschenwagen

باشه = باز، شاهین  = Habicht

 بادنجان رومی (دری) = گوجه فرنگی = Tomate

بَر زدن = بالا کشیدن، بالا زدن = hochziehen, hochkrempeln

آستین بَر زدن = آستین بالا زدن = Ärmel hochkrempeln, ans Werk gehen

بی محل (دری) = بی خیال = unbekümmert

بوجی (هراتی) = گونی = Sack

پشه خانه = پشه بند = Moskitonetz

پهره = کشیک = Bereitschaftsdienst, Wache halten

پینکی رفتن = چُرت زدن = ein Nickerchen machen

 پیکی = موهای پیشانی سر = Stirnfransen, Pony

تسکره (اردو، پشتو) = برانکار = Tragbahre

ته کاوی = زیرزمین = Keller

روجایی = ملافه = Bettlaken

ریگمال = سنباده یا کاغذ ماسه = Schleifpapier, Sandpapier

تامُلت یا آبگردان = ملاقه ای بزرگ برای شستشوی بدن = große Schöpfkelle

  ترَپال = کرباس = Segeltuch

   تیت شدن = درهم و برهم = durcheinander

تیل =  نفت = Petroleum

جال = تور = Netz

جالی = تور = Tüll

جک (دری) = پارچ آب = Wasserkanne (Dari) v. Engl. jug; Wagenheber (Farsi) v. Engl. jack

خریطه = کیسه = Stoffbeutel

خوش هوا (دری) = دل باز = heiter, geräumig

خینه = حنا = Henna

چادری (دری) = برقع = Burka

چپ (دری) = پنهان (در معنای ثانوی) = links, verborgen (Zweitbedeutung)

 چپرکت = تخت فلزی = Metallbett, Klinikbett

چُرت زدن (دری) = فکر کردن = nachdenken

چلپاسه = مارمولک = Eidechse

چور (شدن) = غارت، چپاول (کردن) = Plündern

  چورچور =  گریه ی پر سر و صدای کودکان = plärren

چوک = میدان = Platz

خامک = پیراهن و شلوار افغانی با گل دوزی = bestickter Perahan Tunban (afghanische Männerbekleidung, weites langes Hemd samt Pluderhose) 

خامک دوزی = سوزن دوزی یا گل دوزی برسینه، لبه های آستین یا شلوار  = Stickereien auf afghanischen Gewändern

 دستار پلویی = عمامه ای که رنگ پلو را دارد، شکری رنگ = cremefarbener Turban

دکمۀ چشم = تخم چشم = Augapfel

دهشکه = مسلسل سنگین روسی = schweres russisches Maschinengewehr (DSchK)

  ریگچه بازی = بازی یک قل دوقل = orientalisches Murmelspiel

 زنبیل غلتک = فرغون = Schubkarre

زولفی = کلون در = (Tür)-Riegel

ستاژ = کارآموزی = Praktikum

شَف لُنگی = عمامۀ افغانی بالدار = afghanischer Turban mit herabhängendem Ende

شفتالو (دری) = هلو = Pfirsich

شُمله = شرابه ی شال یا پارچه ی نخی = Fransen

شیر یخ = بستنی = Speiseeis

غلت دادن = پاک کردن برنج و غیره = verlesen von Reis etc.

فیته = نوار = Band

قدیفه، قطیفه = روسری = Kopftuch

گَش شدن = کَش، کشیده شدن = dehnen

گوچ = کاناپه = Couch, Sofa

گلابی (دری) = صورتی = rosa

گل مُرسل = گل محمدی یا رُز = Rose

کت بند = جالباسی = Kleiderbügel, Garderobe

کرتی، کرته = کُت = Jackett

کشتمند = دهقان = Bauer, Landwirt

کمپودر = تزریقاتچی = Hilfspfleger, ungelernter Krankenpfleger für die häusliche Nachbehandlung

کمودی = توالت = WC

مادرکیک = سوسک = Kakerlake

نسایی و ولادی = بیماری های زنانه = Gynäkologie

یخن قاق = پیراهن مردانه = Herrenhemd

 

 

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Die Bassetki-Statue und Mardaman – wechselvolle Geschichten der Akkad-Zeit

In den vergangenen Tagen ließ mich eine archäologische Meldung aufhorchen: Bassetki wurde durch Keilschrifttafeln als die Königsstadt Mardaman identifiziert.

Autonome_Region_Kurdistan_(Karte) klein

Bassetki, ein kleines Dorf im Nord-Irak, liegt nahe Dohuk in der Autonomen Region Kurdistan und ca. 60 km nördlich von Mosul. Die 2016 begonnen Ausgrabungen von Peter Pfälzner (Universität Tübingen) in Kooperation mit Hasan Qasim (Antikendirektion Dohuk) führten zur Entdeckung einer Stadt, die um 3000 v. Chr. gegründet wurde und mehr als 1200 Jahre besiedelt war.

Nach langen Überlegungen fiel es mir wieder ein, den Namen hatte ich in den ersten Semestern gehört, als wir die Kunstdenkmäler der Akkad-Zeit (2340-2200 v. Chr., mittlere Chronologie) studierten. Tatsächlich wurde die sogenannte Bassetki-Statue schon 1975 entdeckt und konnte durch ihre Inschrift dem akkadischen König Naram-Sin (2273–2219 v. Chr.) zugeordnet werden. Die exakte Herkunft dieses rund 130 kg schweren Zufallfunds aus Kupfer ist bis heute nicht geklärt.

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Bassetki-Statue (Fragment)

Das Fragment zeigt einen sitzenden nackten Mann mit einem Gürtel auf einem kreisförmigen Postament, vor dessen abgewinkelten Beinen die 72-zeilige Inschrift in drei Kolumnen angebracht ist. Die Nacktheit und der Gürtel sind Merkmale des sogenannten „nackten Helden“ oder „Herrn der Tiere“, der häufig als Bezwinger von Löwen, Stieren oder Mischwesen auf Rollsiegeln zu sehen ist. Das kreisförmige Behältnis zwischen den abgewinkelten Beinen des Mannes wurde unterschiedlich als Gefäß (siehe unten), Standarte oder Torpfosten gedeutet.

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Rollsiegel (Abdruck) des Schreibers Ibni-Sharrum, späte Akkad-Zeit, Louvre Museum

Die Inschrift lässt vermuten, dass die Statue einst im Eingangsbereich zu Naram-Sins Palast in Tell Brak (Nordost-Syrien) gestanden hat. In ihr berichtet der Herrscher, dass seine Stadt nach erfolgreicher Niederschlagung anhaltender Rebellionen akkadische Göttinnen und Götter gebeten hatte, ihn zu ihrem Stadtgott zu ernennen und ihm in der Stadt Agade einen Tempel zu errichten. Hier die englische Übersetzung von Dan Foxvog. Wie sich zeigt, ist politische Propaganda keineswegs eine Erfindung zeitgenössischer Alleinherrscher, auch wenn die Vergöttlichung inzwischen aus der Mode gekommen ist.

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Inschrift der Bassetki-Statue (Transkription), CDLI

Die Bassetki-Statue wurde nicht nur im Altertum verstümmelt, sie wäre beinah auch für immer verschollen geblieben. Nach der Eroberung Bagdads durch die US-Truppen im Jahr 2003 verschwand sie bei der Plünderung des Irak-Museums, wurde jedoch später wiedergefunden.

Die spätere assyrische Königsstadt Mardaman wurde laut den ältesten akkadischen Quellen von Naram-Sin erstmalig zerstört und existierte doch mehr als tausend Jahre weiter. Es bleibt zu hoffen, dass die Ausgrabungen der Universität Tübingen nicht nur ihre wechselvolle Geschichte, sondern auch den möglichen Ursprung dieses Statuenfragments enthüllen.

Algorithmen

Ich lese gerade einen futuristischen Krimi aus dem Jahr 1996. Imaginiert wird 2014 mit teils erstaunlich zutreffenden Vorhersagen: Präventive Verbrechensbekämpfung aufgrund spezifischer Persönlichkeitsmerkmale und Gehirnstrukturen existiert bereits, Helikopter mit hochempfindlichen Sicht- und Abhörgeräten kreisen über der Stadt, und die Polizeibehörden der EG (EU) haben ihre Datenbanken vernetzt.

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Royal Air Force Chinook über London

Internet, Facebook, Twitter & Co. konnte der Autor nicht voraussehen, ebenso wenig wie den Siegeszug der Algorithmen.

Das Setting: Ein überdurchschnittlich intelligenter Serienmörder treibt sein Unwesen in London. Die Chefinspektorin von Scotland Yard will ihn mit einer Pressekonferenz zu einem Bekennerbrief animieren, um ihm mittels linguistischer Analyse und weiterer kriminologischer Methoden auf die Schliche zu kommen.

Ein eisiger Schreck durchzuckt mich. Was wäre, wenn die Algorithmen eines Tages so perfektioniert wären, dass man mit ihnen Texte im Stil berühmter Autor*innen verfassen könnte? Das Schicksal der Brüder Karamasow nach der Flucht, oder das der Heldinnen Jane Austens in Fortsetzungen?

Es klingt zwar unglaubwürdig, schon heute aber gibt es den „Roboterjournalismus“; durch den Einsatz Künstlicher Intelligenz (KI) entstehen so aus „Rohdaten“ Fußballberichte oder andere einfache Pressetexte. Die linguistische Perfektionierung der entsprechenden Sprachsoftware erscheint keinesfalls abwegig.

Machen wir uns nichts vor, Google ist auf dem besten Weg, einen Teil der Übersetzer*innen überflüssig zu machen. Mit seinem Übersetzungstool lassen sich englische Texte in durchaus annehmbares Deutsch übersetzen.

Humanoide Roboter, Smart Home oder selbstfahrende Autos, sie alle werden sicher auch zunehmend „intelligentere“ Sprachsysteme erfordern. Weshalb sollte die Entwicklung im Bereich der künstlichen Linguistik also nicht mit der gleichen Energie vorangetrieben werden?

Bevor ich mit diesem Albtraum einschlafe (es ist 02.19 Uhr), flüchte ich lieber zu den Büchermenschen von „Fahrenheit 451“. Männer und Frauen, die abgelegene Wälder einer dystopischen Zukunft durchstreifen, wo sie Gedichte oder Romane von Kafka und Proust vor sich hinmurmeln, um sie vor dem endgültigen Vergessen zu bewahren.

fahrenheit
Oskar Werner und Julie Christie bei den Buchmenschen. Szene aus „Fahrenheit 451“ (1966), Regie: Francois Truffaut

Oder sollte ich meine Zukunftsängste mit einem Kopfschütteln abtun und überlegen, in welchem Kino gerade „Blade Runner II“ läuft. Den muss ich mir unbedingt ansehen!

 

44. Andere Wege der Literaturvermittlung in Europa

Lyrikzeitung & Poetry News

EU fördert mit Projekt CROWD die Entwicklung der freien Literaturszenen

Die Literaturszenen in Europa sind vielfältig und inspirierend zugleich. LiteraturaktivistInnen aus allen Ländern der EU in einen intensiven Austausch miteinander zu bringen und neue Wege der Publikumserschließung mit analogen und digitalen Mitteln zu gehen, sind die Kernziele des auf zwei Jahre angelegten Projekts CROWD (CReating Other Ways of Dissemination), welches nun bis November 2016 vom Programm CREATIVE EUROPE der Europäischen Union gefördert wird.

Im Mittelpunkt des einzigartigen Projekts steht dabei die Schaffung einer europäischen literarischen Öffentlichkeit.

CROWD ermöglicht persönliche Begegnungen und digitale Interaktion mit aktueller, im Entstehen begriffener Literatur jenseits des etablierten literarischen Kanons. CROWD will die verschiedensten Ideen von gegenwärtiger Literatur in Europa kennenlernen, gemeinsam weiterentwickeln und in den öffentlichen, europaweiten Diskurs bringen. Maßgebliche Unterstützung erhält CROWD von der Kulturstiftung des Bundes, dem Nordic Culture Point, dem Kultur- und Bildungsministerium von Zypern, dem Tourismusbüro Zyperns, dem österreichischen Bundeskanzleramt, dem Land Steiermark, Graz Kultur, außerdem dem Berliner Senat, der Hamburgischen…

Ursprünglichen Post anzeigen 224 weitere Wörter

Je suis Charlie

Zwei vermummte Männer haben heute um 11.30 Uhr die Redaktion des französischen Satire-Magazins Charlie Hebdo in Paris überfallen und mindestens zwölf Personen erschossen. Unter den Opfern sind zwei Polizisten, die das Gebäude bewachten.

je suis charlie #2Der Rechtsanwalt des Magazins hat den Tod von vier Karikaturisten bestätigt: Cabu (Jean Cabu), Charb (Stéphane Charbonnier), Tignous (Bernard Verlhac) und Georges Wolinski.

Die Karikaturisten Cabu und Charb sind unter den Opfern. (LP/FREDERIC DUGIT-OLIVIER CORSAN.)
TIGNOUS-charlie hebdo
Ermordeter Karikaturist Tignous
WOLINSKI charlie hebdo
Ermordeter Karikaturist und Herausgeber Wolinski

Update 8.1.2015, Namen der acht weiteren Opfer: Moustapha Ourad, Hamed Merrabet, Honoré, Bernard Maris, Michel Renaud, Franck Brinsolaro, Frédéric Boisseau, Elsa Cayat

Ahmed Merabet charlie hebdo
Erschossener Polizist Hamed Merabet

Dieses Massaker – anders kann ich es nicht bezeichnen – richtet sich nicht nur gegen französische Karikaturisten, die mit ihren Mohammed-Karikaturen radikale Islamisten auf den Plan riefen, es ist ein Anschlag auf unser aller Meinungs- und Pressefreiheit.

Mes sincères condoléances au magazin Charlie Hebdo, aux familles des caricaturistes et policiers assassinés!

Kabul – Ein Haus für die Literatur (2003)

In den vergangenen Monaten ist es still geworden um Afghanistan. Nur noch gelegentlich erreichen uns Berichte aus dem mühsam um Wiederaufbau ringenden Land und wenn, sind sie meist militärischer Natur.

kabul Cultural Society
Logo: Literarische Gesellschaft von Kabul (1931)

Um so erfreulicher daher die Nachricht von dem geplanten Literaturhaus in Kabul. Dieses Projekt, initiiert vom französischen Philosophen Bernhard-Henri Lévy und dem in Paris lebenden afghanischen Schriftsteller Atiq Rahimi, steht unter der Schirmherrschaft des staatlichen französischen Rundfunks, insbesondere France Culture.

Bereits im Mai 2002 kündigten Levy und Rahimi bei einer Pressekonferenz in Paris die Schaffung eines Maison des Ecrivains an. Neben einer Bibliothek soll es auch Unterkünfte für die in alle Welt zerstreuten afghanischen Autorinnen und Autoren bereitstellen. Unterstützt werden sie dabei von engagierten Verlegern und Künstlern sowie von Jean-Sébastien Dupuit, dem Direktor des Centre National du Livre.

Der Mensch ernährt sich nicht vom Brot allein„, erklärte Lévy die Notwendigkeit der Errichtung eines Literaturhauses im Hinblick auf den demokratischen Wiederaufbau Afghanistans. Sein Engagement für das Land am Hindukusch geht auf den Beginn der achtziger Jahre zurück, als er für Radio „Freies Kabul“, den unabhängigen Sender der Nord-Allianz, eine Sendeanlage in geheimer Aktion ins Land schaffen ließ. Die franko-afghanische Wochenzeitung Nouvelles de Kaboul, die seit vergangenem Herbst erscheint, ist ebenfalls ihm zu verdanken.

Für Atiq Rahimi, der vor 18 Jahren ins Exil flüchten musste, bedeutet das Haus der Schriftsteller, das im Stadtteil Karte Parvan im Nordwesten Kabuls errichtet werden soll, die Erfüllung eines doppelten Traums von der Rückkehr in die Heimat wie zur vielstimmigen Poesie und Kultur Afghanistans. Der Autor, dessen erster Roman „Erde und Asche“ mittlerweile in über zehn Sprachen der Welt übersetzt worden ist, beschwört eindringlich die Bedeutung einer solchen Institution für die multiethnische afghanische Gesellschaft, die durch jahrzehntelangen Krieg und Flucht ihrer kulturellen Wurzeln beraubt worden ist.

In der Praxis bedeutet dies, dass im Literaturhaus auch Bücher verlegt, Übersetzungen in Auftrag gegeben und die erste Literaturzeitschrift Afghanistans gegründet werden soll.

Die prekäre Situation des afghanischen Buchwesens unterstrich Atiq Rahimi bei der vergangenen Frankfurter Buchmesse, dessen Werke in seiner Heimat nicht erhältlich sind. Tatsächlich stammen die wenigen, derzeit in Afghanistan kursierenden Bücher und Zeitschriften aus Iran oder Pakistan. Wie problematisch die Importe aus Nachbarländern sind, zeigte sich im Oktober 2002. Die afghanische Regierung ließ eine Spende von 90.000 Schulbüchern nach Iran zurückgehen. Die Begründung: sie seien zu anspruchsvoll für afghanische Schulkinder. Informierte Beobachter sehen darin eine höfliche Zurückweisung der unermüdlichen Islamisierungsversuche der Mullahs in Teheran.

Doch das Literaturhaus steckt in finanziellen Schwierigkeiten: noch fehlen die nötigen Mittel zu seiner Errichtung. Mit einem großangelegten Spendenaufruf war es France Culture bereits im Frühjahr 2002 gelungen, den Wiederaufbau der beiden französischen Schulen Kabuls, Esteqlal und Malalaï, zu erreichen. Eine Spendenaktion für das Literaturhaus ist für das laufende Jahr geplant.

Das Kabuler Literaturhaus soll nicht nur heimischen sondern auch Autorinnen und Autoren aus den Nachbarländern und dem Westen als Ort der Begegnung dienen. Angesichts des Erfolgs der ersten Spendenaktion sehen Bernard-Henri Lévy und Atiq Rahimi der Gründung der Maison des Ecrivains zuversichtlich entgegen. Es bleibt zu hoffen, dass dieses löbliche Projekt auch hier zu Lande die notwendige Unterstützung erfährt.

Nachtrag vom November 2014:

Das Kabuler Literaturhaus konnte bis heute nicht realisiert werden, leider. Zwar gibt es inwischen offizielle und private Literaturinstitutionen in Kabul, Herat oder Mazar-i Sharif, mangels staatlicher Förderung sind diese aber meist auf private Geldgeber angewiesen. Die Förderer sind vorwiegend inländische politische Fraktionen oder stammen aus dem Nachbarland Iran, wie ein junger Autor aus Kabul berichtet. Entsprechend parteiisch gestaltet sich deren Förderung.

Auch 13 Jahre nach dem Sturz der Taliban warten unabhängige afghanische Autorinnen und Autor noch immer auf ihr eigenes Haus.